Zeugnisse der Vergangenheit neu belebt.

aus: Stormarner Tageblatt, 09. März 2007

Die Trittauer Stiftung Geschichtskultur hat drei verwitterte und zum Teil überwucherte historische Gedenksteine aus dem Dornröschenschlaf geweckt.


Von links: Bruno Scharnberg, Ralph Droege,
Oliver Mesch, Bürgermeister Walter Nussel

Trittau/eda Hier ein paar Zahlen, dort der Ausspruch "Up ewig ungedeelt" viele Menschen, die an Gedenksteinen vorbei gehen, wissen nicht, an was sie überhaupt erinnern sollen. Die Trittauer Stiftung Geschichtskultur hat drei verwitterte und teilweise überwucherte historische Gedenksteine aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. "Es war keine Zahl mehr lesbar", sagt Ralph Droege über den Findling, der an der Kirchenstraße zwischen Kirche und Markt steht. Das er an den 100. Geburtstag des deutschen Kaisers Wilhelm I. erinnern sollte, war zwar bekannt, aber trotzdem gab es Überraschungen.

Zunächst befreite die Freiwillige Feuerwehr alle drei Steine mit Wasserdruck vom Grünspan. "Wir haben nur gestaunt", so Droege. Unter dem Moos der letzten 110 Jahre entdeckte die Stiftung auf dem Wilhelm-Stein eine filigran gemeißelte Krone. Ein Steinmetz arbeitet alle Inschriften und Symbole mit schwarzer Farbe nach. Und um allen Missverständnissen vorzubeugen: "Das ist alles mit dem Denkmalschutz abgestimmt", betont Bruno Scharnberg. "Das Nachzeichnen ist erlaubt, nur die schwarze Farbe wurde uns vorgegeben." Denn anders als der ungebetene Steinbemaler dieser Tage, der zahllose Meilensteine mit blauem und rotem Lack aus dem Baumarkt ausgemalt hat (wir berichteten), will die Trittauer Stiftung historisch korrekt arbeiten.

"Wir wollen, dass die Leute sich mit der Geschichte beschäftigen", sagt Ralph Droege. Daher hat die Stiftung mit der Hilfe von Dr. Hans-Jürgen Perrey und Archivar Oliver Mesch für jeden Stein einen Infotext formuliert. Darin wird erzählt, wann und warum die Steine aufgestellt wurden und an welches geschichtliche Ereignis sie erinnern. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Hinter dem Kampfruf "Up ewig ungedeelt", den die Trittauer zum 50. Jahrestag der schleswig-holsteinischen Erhebung 1848 in Stein meißeln ließen, verbirgt sich eine spannende, aber doch etwas komplizierte Geschichte. Erste Hinweise und vielleicht auch Anreize zum Weiterlesen bietet auch hier die neue Erläuterungstafel.

Zu dem Erhebungsstein, der an der Kirche stand und 1977 an den Markt versetzt wurde, gehörte ursprünglich eine Doppeleiche. "Eine von zwei Eichen gibt es noch", erzählt Bruno Scharnberg. "Aber mein Vater oder Großvater hat eine der beiden umgefahren." Nicht absichtlich natürlich, da waren einfach die Pferde mit dem angespannten Wagen durchgegangen.

Der jüngste der drei Gedenksteine steht noch neben seiner dazugehörigen Eiche, der Pommerneiche. Stein und Baum erinnern an die heute vollständig integrierten Flüchtlinge, deren Ansiedlung Trittau nach dem Krieg doppelt so groß werden ließ. Die Stiftung sucht jetzt nach weiteren historischen Punkten, an denen geschichtliche Hinweise angebracht werden können.